Gänge unter der Erde, von Menschen gegraben, vor vielen Jahrhunderten.
Oft mit Seitengängen, Kammern, Nischen.
Zu finden in Deutschland, Österreich, Tschechien.
- Eng.
Die Gänge (Beispielfoto) sind meist nur breit genug für eine einzelne Person. Nicht selten gibt es aber seitliche Nischen, oder der Gang mündet in eine kleine Kammer; an solchen Stellen können dann auch mehrere Menschen Platz finden (Beispielfoto).
- Niedrig.
In den Gängen kann man meist nicht aufrecht gehen; oft muss man runter auf die Knie (Beispielfoto) – oder gar auf den Bauch, um Kriechstellen (“Schlupfe”) zu passieren (Beispielfoto).
- Verwinkelt.
Die meisten Gänge ändern alle paar Meter ihre Richtung – und oft geht’s auch nach oben oder unten, durch einen schrägen oder senkrechten Schacht (Beispielfoto), auf eine andere Ebene.
- Dunkel.
Es gibt keine Lichtschächte. Alle Lichtquellen müssen mitgeführt werden; in früheren Zeiten waren dies z.B. Kienspäne oder Talglampen.
- Dreckig.
Die Gänge und Kammern sind meist direkt in den Boden gegraben, ohne Ausmauerung oder Verschalung. Und nicht ohne Grund ist das für Erdstallbegehungen meist empfohlene Kleidungsstück der “Schlaz” (Overall) (Beispielfoto).
- Vielgestaltig.
Jeder Erdstall hat einen eigenen Grundriss (Beispiel 1) (Beispiel 2) (Beispiel 3) (Beispiel 4); keine zwei Erdställe sind identisch gebaut.
- Alt.
Die bisherigen Datierungen weisen darauf hin, dass die meisten Erdställe zwischen 950 und 1250 n.Chr. erbaut bzw. genutzt worden sind – also in einer Zeitspanne, die ins Hochmittelalter fällt.
- Aber nicht uralt.
Für frühere Nutzungszeiträume als das Mittelalter gibt es keine Belege.
- Irgendwann einmal aufgegeben worden.
Kein Erdstall ist bis in die Gegenwart kontinuierlich genutzt worden; ab dem Spätmittelalter hat man viele Erdställe sogar wieder zugeschüttet oder unzugänglich gemacht.
- Tore in die Vergangenheit.
Viele Erdställe sind nicht mehr verändert worden, seitdem ihre Nutzung geendet hat.
- Beschränkt auf den ländlichen Raum.
Die meisten Erdställe liegen unter den Arealen von (heutigen oder ehemaligen) Bauernhöfen.
- Selten.
Es gibt nicht mehr als ca. 200 unterirdische Bauten in Deutschland und einige hundert in Österreich, bei denen vermutet werden kann, dass es sich um Überreste von Erdställen handelt.
- Oft nur noch in Teilen erhalten. (Wenn überhaupt.)
Die meisten der bekannten Erdställe sind nur noch unvollständig vorhanden; sehr viele von ihnen sind mittlerweile auch zerstört.
- Bodendenkmäler.
Als unterirdische Relikte früherer menschlicher Tätigkeit werden Erdställe zu den Bodendenkmälern gezählt. Von Amts wegen zuständig sind die entsprechenden Abteilungen der Denkmalbehörden; diese haben einen Großteil der bekannten Erdställe inventarisiert.
- Die einzigen baulichen Zeugnisse der Landbevölkerung des Hochmittelalters.
An oberirdischen Bauwerken dieser Zeit sind zwar Burgen, Kirchen und Klöster erhalten, aber keine Bauernhäuser, Ställe oder Scheunen. – Gerade dieser Umstand verdeutlicht, dass die Erforschung der Erdställe wichtige Erkenntnisse zum Verständnis des Hochmittelalters beitragen könnte.
- Schützenswert.
Jeder Erdstall kann, wenn er gründlich und sachkundig untersucht wird, wertvolle Erkenntnisse über die Lebenswelt der Menschen ermöglichen, die vor einigen Jahrhunderten in seiner Umgebung gesiedelt haben.
- Schutzbedürftig.
Nachdem viele Erdställe die Jahrhunderte überdauert haben, sind sie heutzutage vielfach gefährdet: Z.B. durch Erschütterungen, Erdarbeiten, Raubgräbertum, unvorsichtige Begehungen u.v.m.
- “Eines der größten archäologischen Rätsel Europas”.
Diese Einschätzung wird manchmal zu Erdställen geäußert. Hiermit ist nicht die Frage gemeint, von wem und wie sie erbaut wurden – sondern der Umstand, dass ihre ursprüngliche Zweckbestimmung bislang ungeklärt ist.
- Eine Domäne der ehrenamtlichen Forschung.
Zu Erdställen wurde bislang fast jede Arbeit (Erschließung, Untersuchung, Dokumentation, Publikation) durch Menschen geleistet, die dafür ihre Freizeit aufgewendet haben.
Und … was sind Erdställe NICHT?
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