Das kann heute niemand mit Sicherheit sagen. Das frühere Wissen über Erdställe ist komplett verlorengegangen, und in den überlieferten Schriften aus der Zeit ihrer Erbauung und Nutzung finden sich keine aussagekräftigen Hinweise auf derartige unterirdische Anlagen.

Daher bleibt als Vorgehensweise zur weiteren Klärung nur, die Dokumentationen von Erdstalluntersuchungen zu sichten, sie mit den (allerdings nur sehr lückenhaft bekannten) Verhältnissen während ihrer ehemaligen Nutzungszeit in Bezug zu setzen und daraus Schlüsse zu ziehen.

Dies ist in der Vergangenheit vielfach erfolgt – und die Hypothesen, die daraufhin von verschiedenen Forschern zur ursprünglichen Zweckbestimmung von Erdställen aufgestellt wurden, widersprechen einander:

Einige dieser Hypothesen versuchen, in der Lebenswelt der mittelalterlichen Landbevölkerung und deren Bedürfnissen Erklärungen zu finden, warum der Bau eines Erdstalls eine lohnende Unternehmung gewesen sein könnte. Solche praktischen (und gegebenenfalls auch lebenssichernden) Zwecke wären z.B. …

Andere Hypothesen beinhalten, dass Erdställe gebaut wurden …

Für jeden dieser Erklärungsversuche sind Gegenargumente geltend gemacht worden.
Keiner von ihnen ist weitgehend anerkannt.

Es muss auch in Betracht gezogen werden, dass (auch wenn Erdställe untereinander viele bauliche Gemeinsamkeiten aufweisen) verschiedene Erdställe zu verschiedenen Zwecken erbaut worden sein könnten.

Und es ist auch möglich, dass der eine oder andere Erdstall so angelegt wurde, dass er gleich mehrere unterschiedliche Zwecke erfüllen konnte. Dies würde der heutigen Forschung eine klare Deutung erschweren.

Die Diskussion über die ursprüngliche Zweckbestimmung der Erdställe ist hochspannend und weiterhin offen – auch weil unser Wissen darüber, wie die bäuerliche Welt des Hochmittelalters im Detail aussah, noch sehr unvollständig ist.